Ausszüge aus dem Buch von Kurt Tepperwein "die hohe Schule der Hypnose"
Ein wenig über die Geschichte der Hypnose
Den Anstoß zur heutigen Suggestionslehre gab der
portugiesische ABBE FARIA (1755-1819),
der sich, 1813 aus der portugiesischen
Kolonie Goa kommend, in Paris niederließ.
Er hatte in Indien hypnotische
Erscheinungen studiert und war zu der Überzeugung gekommen, daß zur Erzeugung
des hypnotischen Schlafs keinerlei Fluidum seitens des Hypnotiseurs
erforderlich sei, wie Mesmer glaubte, sondern daß die Suggestion die
entscheidende Wirkung auslöse.
Sein öffentliches Auftreten erregte ebenso großes Aufsehen wie sein 1819
erschienenes Werk De la cause du sommeil ludde en etude sur la nature de
l`homme. In diesem Werk bezeichnete er den Hypnotiseur als »Concentrateur«,
den Hypnotisierten als »Concentre« und den hypnotischen Schlaf als »Concentration«
oder als »Sommeil lucide«.
Seine Hypnosemethode bestand darin, daß er einfach an den Kranken herantrat,
ihn scharf anblickte und ihm plötzlich zu rief: »Dormez!« (Schlafen Sie!).
Fast 50 Prozent der Versuchspersonen fielen dabei schon in Hypnose.
Wir haben hier den Vorläufer der Schreckhypnose, die J. M. Charcot
später in der »Salpetriere« anwandte.
Einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung der Hypnose tat der
englische Augenarzt JAMES BRAID (1795-l 860) aus Manchester im Jahre 1841.
Ersah dort Experimente des Schweizer Magnetiseurs LAFONTAINE. Da ihm die
gezeigten Phänomene unglaubhaft erschienen, beschäftigte er sich selbst
gründlich damit, in der Absicht,Lafontaine zu entlarven.
Er benutzte seine Frau, seinen Freund Walker und seinen Diener
als Versuchspersonen. Zu seiner eigenen Überraschung gelang es ihm, alle drei
in einen hypnotischen Schlaf zu versetzen, indem er ihnen den glänzenden Knopf
seiner Lanzettbüchse in Höhe der Nasenwurzel vor Augen hielt, nachdem ihm
durch seine Tätigkeit als Augenchirurg bekannt war, daß die anhaltende
Fixation eines glänzenden Gegenstandes Müdigkeit hervorruft. Er nannte diesen
künstlichen Schlaf »Hypnose«, nach dem griechischen Wort hypnos =
Schlaf. Er entwickelte auf Grund seiner eigenen Theorie ein ziemlich einfaches
Verfahren, Menschen und Tiere in Hypnose zu versetzen.
Er brachte im Abstand von etwa 20 Zentimeter vor den Augen der Versuchsperson,
etwa in Höhe der Nasenwurzel, einen glänzenden Gegenstand an, wie z.B. ein
Glasprisma. Er erreichte durch einfaches Fixieren ohne jede sonstige verbale
Beeinflussung in den meisten Fällen nach wenigen Minuten den Beginn der
Hypnose bei der Versuchsperson.
Im Jahre 1842/43 erschien dann sein Hauptwerk:
Neurohypnology or tbe rational of nervous sleep considered in relation with
animal magnetism. Aber auch er erntete bei seinen Arztkollegen nur
Spott. Der Pariser Arzt A. A. LIEBEAULT unterzog die Braidschen Experimente
einer Nachprüfung und fand sie bestätigt. Bereits 1866 veröffentlichte er
hierüber ein Werk mit dem (hier deutschen) Titel Der künstliche Schlaf und
ähnliche Zustände. Auch dieses Werk fand nicht gleich die Beachtung, die
es verdient hätte.
Erst nach vielen Jahren wurde Professor HYPOEYTE BERNHEIM (1843-1919) von der
Universität Nancy auf die Bedeutung der Lehre Liebeaults aufmerksam. Er
befaßte sich viele Jahre intensiv damit und schrieb 1886 sein Werk über die
Suggestion und ihre Anwendung und führte diese neue Behandlungsmethode in der
medizinischen Klinik m Nancy ein.
Gemeinsam mit Liebeault schuf er die »Schule von Nancy« und damit den Beginn
der wissenschaftlichen Anwendung der Hypnose.
Ein Schüler der Schule von Nancy war SIGMUND FREUD, der Begründer der
Psychoanalyse. Zur gleichen Zeit arbeiteten berühmte Ärzte wie AUGUST FOREL an
der Erforschung und Nutzung der Hypnose, ferner die ersten Nachfolger der
Schule von Nancy EMILE COUE und CH. BAUDOUIN.EMILE COUE (1857-1926)
entwickelte die Lehre von der Autosuggestion. Er erkannte, daß die Hypnose im
Grunde eigentlich immer eine Selbsthypnose ist. Der Hypnotiseur erzeugt in der
Versuchsperson lediglich eine mehr oder weniger starke Vorstellung der
beabsichtigten Wirkung, die diese dann durch Selbsthypnose verwirklicht.
Er prägte den Lehrsatz: »Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns,
sondern die Vorstellungskraft.« Er folgerte daraus, daß jeder Mensch sich
selbst hypnotisieren könne, und erklärte seinen Patienten, daß eine Heilung
ihrer Krankheiten durch Selbstsuggestion zu erreichen sei. Wörtlich sagte er:
»Lernen Sie, sich selbst zu heilen, Sie können es; ich selbst habe nie
jemanden geheilt. In Ihnen liegt die Möglichkeit. Rufen Sie Ihren Geist zu
Hilfe, lassen Sie ihn Ihrem körperlichen und seelischen Wohl dienlich sein .
Er wird da sein. Er wird Sie heilen, Sie werden stark und glücklich sein.
«Er veranlasste seine Patienten, sich morgens und abends je zwanzigmal den Satz
einzureden: »Mir geht es von Tag zu Tag in jeder Hinsicht immer besser und
besser.«
JEAN MARTIN CHARCOT (1825-1893) war Oberarzt an der Heilanstalt »La
Salpetriere« in Paris und Professor der pathologischen Anatomie. Er genoss als
Neurologe internationalen Ruf. Seine Arbeiten über die Nervenkrankheiten waren
Epoche machend.
Charcot stand in starkem Gegensatz zur »Schule von Nancy«. Die von ihm
vertretene Richtung der Hypnose wurde »Pariser Schule« genannt. Der Gegensatz
in den Ansichten dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Schule von Nancy
mit normalen Menschen experimentierte, während die Patienten Charcots
Geisteskranke waren.
So kam er zu der Ansicht, daß die Hypnose nur eine künstliche Hysterie sei. Er
bediente sich verschiedener Hypnosetechniken, vor allem aber nutzte er den
Schreck zur Einleitung der Hypnose. So verwandte er explodierende
Schießbaumwolle und das plötzlich aufflammende »Drummond-Kalklicht«, auch ließ
er plötzlich einen lauten Gong schlagen. Die erschreckten Geisteskranken
fielen in Gruppen in einen hypnotischen Zustand. Er machte den unwiderlegbaren
Ausspruch: »Es ist der Glaube, der heilt.« Die Erforschung einer anderen Seite
der Hypnose ist das Verdienst des russischen Forschers I. P. PAWLOW
(1849-1936). Er experimentierte mit Tieren. Mit seinem berühmten
Hundeexperiment brachte er Licht in die körperlich-seelischen Vorgänge und
bewies, daß Hypnose und Suggestion ganz normale Lebensvorgänge sind. Damit
befreite er die Hypnose endlich von dem Ruf des Mysteriösen. Dieses Experiment
wurde wie folgt ausgeführt:
Er setzte einem Hund eine reichliche Portion Fleisch vor und stellte fest,
daß sein Versuchstier mit einer verstärkten Speichelabsonderung reagierte.
Gleichzeitig ließ er einen bestimmten Glockenton erklingen und wiederholte
diesen Vorgang immer wieder. Nach einiger Zeit genügte schon dieser Ton, um
die verstärkte Speichelabsonderung bei dem Versuchstier auszulösen, obwohl
kein Fleisch in Sicht war.
Nach einer Reihe weiterer Versuche faßte er seine Erkenntnisse wie folgt
zusammen: »Jeder dauernde oder systematisch sich wiederholende Reiz, der durch
entsprechende Nervenbahnen einen bestimmten Punkt der Hirnrinde erreicht,
führt früher oder später zu einer zwangsartigen Schläfrigkeit, dann zu Schlaf
bzw. zur Hypnose.«
Pawlow unterschied dabei scharf zwischen den ererbten »unbedingten Reflexen« und den im Laufe des Lebens erworbenen »bedingten Reflexen«. Mit Hilfe der Pawlowschen Lehre von den bedingten Reflexen gelang es, die Bereiche des menschlichen Unterbewußtseins, vor allem die automatisierten Mechanismen der höheren und höchsten Nerventätigkeit experimentell zu erforschen.
In unserer Zeit verdient vor allem ein Forscher unser
Interesse, I. H. SCHULTZ.
Er entwickelte ein besonderes Verfahren der Selbsthypnose, das »Autogene
Training«. Das aus dem Griechischen kommende Wort »autogen« heißt
»selbsterzeugend«. Erstes Ziel dieses Trainings ist eine konzentrative
Selbstentspannung, also eine Entspannung durch Konzentration und
Selbstbeeinflussung.
Die hauptsächliche Wirkung besteht in erhöhter Konzentration, Gelassenheit,
Selbsterziehung und einer deutlichen Leistungssteigerung.
Mit fortschreitendem Training gelingt dann auch mehr und mehr eine geistige Beeinflussung von funktionellen und organischen Beschwerden, da viele Beschwerden durch Verkrampfung und innere Unruhe entstehen.
Professor Schultz legte sechs Grundübungen fest:
1. Die Schwereübung (Muskelentspannung)
2. Die Wärmeübung (Gefäßentspannung)
3. Die Herzübung (Herzberuhigung) .
4. Die Atemübung (Atemberuhigung) !
5. Die Sonnengeflechtübung (Regulierung der Bauchorgane)
6. Die konzentrative Kopfübung (Stirnkühle)
Auch die Haltungen, in denen das Autogene Training ausgeführt werden soll, wurden genau umrissen, und zwar
1. Im Liegen
2. In Lehnstuhlhaltung
3. In der so genannten Droschkenkutscherhaltung.
In der Oberstufe des Autogenen Trainings kommt dann noch das Erleben eines .geistigen Bildes dazu, in dem die vom Unterbewusstsein empfundene Situation symbolhaft zum Ausdruck kommt.
Für weiteste Verbreitung der Hypnose sorgte in unserer Zeit LESLIE M. LECRON. Dieser amerikanische Hypnosefachmann lehrte in seinen Kursen Tausenden von Ärzten und Psychologen die Techniken der medizinischen Hypnose. Mit seinen Werken, insbesondere Selbsthypnose und Fremdhypnose, Selbsthypnose (beide sind in deutscher Sprache im Ariston Verlag erschienen), machte er Hunderttausende von Lesern mit einfachen, aber wirksamen Hypnosemethoden vertraut. Mit seinen Büchern hat er wesentlich zum Abbau landläufiger Vorurteile gegen die Hypnose beigetragen.
Auszüge aus dem Buch von Kurt Tepperwein "die hohe Schule der Hypnose"
hier noch ein Auszug aus dem Buch von Kurt Tepperwein
"die hohe Schule der Hypnose"
Ein Beispiel
Frei von Angst und Depression durch Selbsthypnose
Ein wichtiges Anwendungsgebiet der Selbsthypnose ist die Beseitigung von Depressionen und Angstzuständen, wie das folgende Beispiel zeigt.
Es war die ganz große Chance. Soeben hatte Dr. Schlosser erfahren, daß ihm die Leitung des Zweigwerkes in Süddeutschland übertragen worden war. Er konnte es überhaupt nicht abwarten, seiner Frau die gute Nachricht zu überbringen. Das bedeutete für ihn nicht nur den Ausbau seiner Position, sondern gleichzeitig die Erfüllung seines Jugendwunsches - ein Haus weitab vom Lärm der Großstadt in einer schönen ländlichen Gegend, wo man noch vom Gezwitscher der Vögel und nicht vom Autolärm geweckt wurde. Seine Frau kannte zwar das Leben auf dem Lande nicht, denn sie war in der Großstadt aufgewachsen, aber sie ließ sich von seiner Begeisterung anstecken. Die beiden Kinder, zwei prächtige Jungen, waren vor Freude ganz außer sich.
Dr. Schlosser fand ein wunderschönes Haus, 30 Kilometer vor der Stadt, in der sich das Zweigwerk befand, dessen Leitung er übernommen hatte. Zwar hatte er dadurch jeden Morgen und Abend etwa 40 Minuten Fahrt, aber das nahm er für die Ruhe und Schönheit der ländlichen Idylle gern auf sich. Die Kinder lebten sich schnell ein und hatten schon nach kurzer Zeit neue Freunde gefunden. Nur seine Frau hatte einige Schwierigkeiten, sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Zu ungewohnt war diese Stille und Abgeschiedenheit. Ihr fehlte der gewohnte Bekanntenkreis doch sehr. Ihr Mann tröstete sie liebevoll, aber er war den ganzen Tag fort und kam erst spät am Abend zurück. So war sie auf sich allein angewiesen bei der Lösung ihrer Probleme. Sie fand jedoch keinen Kontakt zu der Landbevölkerung. Ihre einzige Abwechslung war die tägliche Fahrt in den nächsten Ort, um Lebensmittel zu kaufen; denn dort, wo sie wohnten, gab es kein Geschäft.
Ihr Mann hatte ihr den kleinen Wagen gekauft, den sie sich
schon lange gewünscht hatte; der war in der jetzigen Situation auch dringend
erforderlich. Um ihr das Landleben schmackhaft zu machen, schenkte ihr Mann
ihr zum Geburtstag ein Reitpferd. Aber auch das vermochte sie kaum noch aus
ihrer immer größer werdenden Vereinsamung zu lösen.
Sie saß stundenlang am Fenster, weinte und wurde nach und nach unfähig, ihren
Haushalt zu führen. Eines Tages rief mich Dr. Schlosser an und bat mich, die
Behandlung seiner Frau zu übernehmen. Er kannte mich aus der Zeit vor seinem
Umzug, als er sich von mir mit Hilfe der Akupunktur von seiner Rauchsucht
hatte befreien lassen.
Da wegen der großen Entfernung eine regelmäßige Hypnosebehandlung unmöglich
war, zeigte ich ihr, wie sie sich selbst in Hypnose versetzen könnte. Für
ihren speziellen Fall arbeitete ich mit ihr folgende Suggestion aus:
»Ich bin ganz ruhig. Ich bin vollkommen ruhig und gelöst. Ein wunderbares
Gefühl des Friedens und der Harmonie breitet sich in meinem Körper aus, und
ich bin aus tiefstem Herzen froh und glücklich.
Ich fühle mich ganz wohl in meiner Situation und spüre, es geh t mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser. Jeden Abend, wenn ich zu Bett gehe, spüre ich sofort wieder dieses wunderbare Gefühl des Friedens und der Harmonie und schlafe dann auch sofort ein. Ich schlafe ganz tief und fest und wache jeden Morgen ganz frisch und erholt auf. Ich spüre dann sofort wieder dieses wunderbare Gefühl des Friedens und der Harmonie und bin dann ganz heiter und gelöst und aus tiefstem Herzen froh und glücklich.
Ich fühle mich von Tag zu Tag immer besser und werde immer heiterer und fröhlicher. Ich fühle mich sehr wohl in meiner Situation, und es geht mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser. Meine Sicherheit und mein Selbstbewusstsein wachsen von Tag zu Tag. Ich werde immer heiterer und fröhlicher und fühle mich ganz wohl - ich fühle mich ganz wohl.«.
Da Frau Schlosser sehr wenig Zutrauen zu ihren eigenen Fähigkeiten hatte, ließ ich sie das Band gleich in meiner Praxis besprechen. Sie wunderte sich zunächst, daß ihre Depressionen in der Suggestion gar nicht angesprochen wurden, und so erklärte ich ihr, daß man sich in der Selbsthypnose nur positive Suggestionen geben, also nicht etwa sagen soll: »Ich habe keine Depressionen mehr«, da man so ja zunächst die Depressionen dem Unterbewusstsein bestätigt, vielmehr: »Mein Kopf ist frei und klar, ich fühle mich ganz wohl und bin heiter und gelöst.«
Voller Hoffnung fuhr sie nach Hause. Aber schon vier Tage später erhielt ich ihren Anruf, es habe noch kaum geholfen und sie sei ganz verzweifelt. Ich erklärte ihr, daß sie ihrem Unterbewusstsein Zeit lassen müsse, das Gewünschte zu bewirken, und bat sie, das Band an mindestens 30 Tagen anzuhören, ohne stündlich die Wirkung kontrollieren zu wollen.
Ich hörte einige Monate nichts mehr von ihr. So rief ich eines
Tages bei ihr an, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Dr. Schlosser war
am Apparat.
Seine Frau war in der Stadt in einem Tanzkurs - von Depressionen
keine Spur mehr.