Copyright: Dirk Revenstorf, Dr. rer. soc., Dipl.-Psych.,unter Mitarbeit von Dipl.-Psych. Uwe Prudlo, Psychologisches Institut der Universität Tübingen, Juni 1993
1. Geschichte
Im Gegensatz zum angloamerikanischen Sprachraum
ist die wissenschaftliche Literatur zur Hypnose und deren Anwendung in Europa,
insbesondere in den deutschsprachigen Ländern, lange übersehen worden.
Das hat historische Gründe, ist aber bedauerlich, da die Hypnose gerade in
Europa eine lange Tradition als medizinisches und psychotherapeutisches
Heilverfahren hat.
Als erste Ära der Hypnose dürfen die alten hinduistischen Meditationspraktiken
der Fakire und Yogis gelten, die bis ins 2. vorchristliche Jahrtausend
zurückverfolgt werden können.
Das bis heute verbreitete Yoga hat in der Induktion und dem Zielzustand des
ungetrübten Bewusstseins (Trance) starke Ähnlichkeit mit der Hypnose. Aus dem
antiken Ägypten gilt der Papyrus Eber (circa 1500 v. Chr.) als ältestes
schriftliches Zeugnis für hypnotische Induktionstexte (EDMONSTON, 1986).
Der Tempelschlaf aus Ägypten (Isisund Serapis-Kulte) und Griechenland
(Asklepius-Kult) wurden als rituelle Induktion des Orakels benützt (etwa 500 v.
Chr.), der neben der Heilung hellseherischen Zwecken diente (WEINREICH, 1909).
Die keltischen Druiden im ersten vorchristlichen Jahrtausend, verwendeten
reimende Gesänge, um Medien in einen Schlaf mit hellseherischen Träumen zu
versetzen. Mittels Handauflegen, das schon im alten Testament bei König David
vorkommt, heilten Jesus und seine Jünger, häufig verbunden mit Augenfixation
(Petrus, Paulus), wurden auch schon in den ägyptischen Papyri beschrieben.
Ähnlich verfuhren im Mittelalter viele kirchliche Würdenträger und weltliche
Fürsten zum Teil in Massenzeremonien.
Häufig spielen bei den Vorläufern der Hypnose bestimmte Körperhaltungen
(liegend, kniend, Lotussitz u. a.) und zeremonielle Instruktionen eine Rolle.
Seit der Antike bis ins Mittelalter wurde die heilende Wirkung der
hypnoseähnlichen Anwendungen im allgemeinen einer übermenschlichen Kraft
zugeschrieben (z. B. bestimmten Göttern oder Halbgöttern) – meist vermittelt
durch menschliche Medien. Aus dieser langen Tradition hypnotischer Praktiken
wird klar, daß es schon immer Riten gegeben hat, die Menschen in die Lage
versetzen, innerhalb physiologischer Grenzen, die im allgemeinen als solche
nicht bewußt wahrgenommenen psychologischen Grenzen des Denkens und körperlicher
Reaktionen zu überschreiten.
Derartige psychologische Grenzen können durch Glaubenssätze oder durch soziale
Normen und Kontextbedingungen bestimmt sein.
Erst mit dem Aufklärer MESMER (1734–1815) wird die Hypnose endgültig des
mystisch-religiösen Charakters entkleidet, indem Mesmer die exorzistischen
Heilungen des Paters Gassner als natürlich erklärt.
Damit setzt die zweite Ära der Hypnose ein, in der sie nicht mehr als
spirituelle, sondern als natürliche Kraft gedeutet, aber außerhalb des Menschen
lokalisiert wird. Seit der Zeit des Paracelsus (1493–1541) sind Kuren
körperlicher Leiden durch Handauflegen oder ähnliche Behandlungstechniken
(Streichungen, Passes) schon als Magnetisierung gedeutet worden, die Mesmer
später als animalisch statt mineralisch charakterisierte.
MESMERS Versuch der wissenschaftlichen Akkreditierung der Hypnose durch die
Akademie der Wissenschaften in Paris (1784) mißlang. Seine hypnotischen Kuren
hatten das Aussehen hysterischer Krisen (MESMER, 1781). Er führte seine
Behandlungen oft als Gruppensitzungen durch und kann daher als erster
Gruppenpsychotherapeut angesehen werden.
Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts wird in der dritten Hypnose-Ära die
Annahme einer Kraft fallen gelassen, die außerhalb des Patienten zu suchen sei.
Dennoch wurde die Hypnose – so benannt von BRAID (1795–1860) – als abnormes
Phänomen betrachtet. BRAID geht von
physiologischen Veränderungen aus, die er zunächst als Schlaf beschrieb
(„Hypnose“), der durch die Monotonie der Fixation herbeigeführt wird (BRAID,
1843). Von englischen und schottischen Ärzten wird die Hypnose in dieser Zeit
erfolgreich zur Analgesie bei chirurgischen Eingriffen eingesetzt.
ESDAILE (1808–1859) beschrieb über 300 schmerzfrei durchgeführte und gut
verheilende Amputationen unter Hypnose (ESDAILE, 1851). Die analgetische
Verwendung der Hypnose verschwand weitgehend mit der Einführung der
Betäubungsmittel Äther, Chloroform und Lachgas um 1850. Von dem Neurologen
CHARCOT und seinen Schülern (u. a. JANET und FREUD) wurde sie Ende des
Jahrhunderts als psychiatrisches Phänomen wieder aufgegriffen.
CHARCOT etwa betrachtete den hypnotischen Zustand als künstlich herbeigeführte
Neurose.
In der vierten Ära seit Ende des letztes Jahrhunderts wurde die Hypnose von
LIEBEAULT (1823–1904) und BERNHEIM (1840–1919) in Nancy als
normalpsychologisches Phänomen erkannt, das auf Suggestion beruht.
Daran knüpft die heutige Auffassung der Hypnose an: Voraussetzung ist die
Fähigkeit des Individuums, die Fremdsuggestionen in Autosuggestionen und
lebhafte Vorstellung umzusetzen (BERNHEIM, 1888).
Diese Interpretation der Hypnose als im wesentlichen innerpsychisches Geschehen
steht im Gegensatz zur älteren Auffassung von einer heteronomen Einwirkung
spiritueller (Antike), magnetischer (MESMER) oder psychologischer Natur.
Die Tradition der beiden französischen Schulen (CHARCOT in Paris und BERNHEIM in
Nancy) wurde im deutschsprachigen Raum von zahlreichen bekannten Psychiatern und
Neurologen weitergeführt. In Zürich von FOREL (1848–1930) und dessen Nachfolger
BLEULER (1857–1939), von BENEDIKT (1835–1920) und seinen Nachfolgern
KRAFFT-EBING (1840–1903), WAGNER-JAUREGG (1957–1940) und später HOFF und BERNER
in Wien; in Jena von HEIDENHEIM (1843–1897), dessen Schüler PAVLOW (1849–1936)
und VOGT (1870–1959) waren. VOGT gründete später in Berlin ein eigenes Institut,
und führte u. a. die Fraktionierungstechnik ein. FREUD (1856–1939) interessierte
sich zunächst sowohl für die Auffassung von CHARCOT wie die von BERNHEIM,
verwarf die Hypnose später jedoch, weil er sie nicht für zuverlässig genug hielt
und hat so vermutlich zum Rückgang dieses Verfahrens in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts beigetragen.
Sie lebte als Heilverfahren in der reduzierten Form des autogenen Trainings
(SCHULTZ, 1932) als Selbsthypnose mit formelhaftem Inhalt, und als gestufte
Aktivhypnose weiter (KRETSCHMER, 1946).
Seit den dreißiger Jahren entwickelte sich an den Universitäten eine
experimentelle Hypnoseforschung, die sich mit der Standardisierung der Phänomene
und der psychometrischen Erfasssung der Suggestibilität befaßt (HILGARD, 1965;
HULL, 1933; WEITZENHOFFER, 1957). In neuerer Zeit sind besonders die
Notwendigkeit formeller Induktion und die spezifische Qualität des durch Hypnose
herbeigeführten Zustandes durch Autoren wie SARBIN, BARBER und SPANOS
experimentell untersucht worden (BARBER, 1984; SARBIN, 1956; SPANOS, 1986).
Diese Autoren betonen den sozialpsychologischen Aspekt der Kooperation bei den
hypnotischen Phänomenen. Autoren wie HILGARD oder ORNE dagegen versuchen, die
These vom hypnotischen Sonderzustand experimentell zu stützen (HILGARD, 1986;
ORNE, 1972).
Schon nach dem Ersten Weltkrieg setzte eine Entwicklung ein, Hypnose zur
Behebung funktioneller Störungen, amnestischer Erscheinungen und
posttraumatischer Neurosen zu verwenden. Seit etwa 1950 gewinnt die Hypnose
zunehmend an klinischer Bedeutung, indem sie bei Verhaltensproblemen, Neurosen
und psychosomatischen Erkrankungen und in der Medizin erfolgreich angewendet
wird. Einen wesentlichen Anteil hieran hatte ERICKSON
(1901–1980), der eine große Vielfalt von hypnotischen und damit verknüpften
allgemeinen psychotherapeutischen Vorgehensweisen in den unterschiedlichsten
klinischen Bereichen einführte. ERICKSON gründete die American Society of
Clinical Hypnosis (ASCH) und das international führende Journal auf diesem
Gebiet (American Journal of Clinical Hypnosis).
Die von ihm entwickelte Hypnotherapie ist von zahlreichen Autoren
zusammenfassend dargestellt und konsolidiert worden (BANDLER, 1975; ERICKSON &
ROSSI, 1979; ERICKSON, ROSSI, & ROSSI, 1976; GILLIGAN, 1987; HALEY, 1978;
LANKTON, 1983; O'HANLON, 1990; ROSSI & CHEEK, 1988; YAPKO, 1984; ZEIG & LANKTON,
1985).
Diese durch ERICKSON eingeleitete Erneuerung könnte man als fünfte Ära der
Hypnotherapie bezeichnen. Die Bemühungen um eine wissenschaftliche Fundierung
der Hypnose in Europa sind also schon mindestens 200 Jahre alt. Die
Grundlagenforschung wie auch der Ausbau als klinisches Heilverfahren ist in den
letzten Jahrzehnten jedoch verstärkt in den angloamerikanischen Ländern
vorangetrieben worden.
Die Ergebnisse werden jetzt zunehmend in Europa rezipiert.
2. Theorie der Hypnosetherapie
2.1 Ziele der Hypnose
Hypnotherapie ist aus der traditionellen Hypnose entstanden wie
autogenes Training und katathymes Bilderleben. Sie besteht nicht nur in der
Einleitung eines speziellen Bewußtseinszustandes. Vielmehr stellt sie die
systematische Nutzung damit zusammenhängender mentaler und physiologischer
Prozesse für therapeutische Veränderung dar.
Folgende generelle Ziele werden dabei verfolgt:
1) Veränderung physiologischer Prozesse (z. B. Vasodilatation);
2) Transformation von Wahrnehmungen und Symptomen (z. B. Analgesie);
3) Anregung einer szenischen Vorstellung (zur Bahnung von Verhalten);
4) Dissoziation und Assoziation;
5) Regression und Progression;
6) Evokation innerer Suchprozesse (kreative Problemlösung).
Diese Ziele sind psychologischer und psychophysiologischer Art und beziehen sich
u. a. auf Angststörungen, depressive Reaktionen, posttraumatische Reaktionen,
Gewohnheitsprobleme, Schmerzen und eine Reihe von psychosomatischen und
somatischen Störungen.
Im einzelnen beinhalten die Ziele folgendes:
1. Veränderung physiologischer Reaktionen Muskeltonus, Kreislauffunktionen (z.
B. periphere Durchblutung) und Funktionen des Autonomen Nervensystems
(trophtrope Umstellung), wie auch eventuell solche des Immunsystems und
des endokrinen Systems können durch Suggestion oder den Trancezustand selbst
bzw. durch die aktivierte Vorstellung
verändert werden. Diese Prozesse sind für Entspannung, eine Unterstützung der
Wundheilung, Blutungskontrolle, Verminderung streßbedingter Immunsuppression
(Herpes), Warzenremission und Kontrolle allergischer Reaktionen (Heuschnupfen)
eingesetzt worden.
2. Transformation der Sensorik und des Zeitempfindens Schmerzen können in ihrer
Dauer und Qualität verändert wahrgenommen werden und einen Teil ihres negativen
Affekts verlieren, wenn diese Dimensionen in Trance suggestiv beeinflußt werden
(etwa „Handschuhanalgesie“).
3 Aktivierung der Vorstellung Visuelle, akustische und somatosensorische
Vorstellungen lösen unwillkürlich ideosensorische, ideoaffektive und
ideomotorische Prozesse aus (Carpenter- Effekt), die denen externer Stimulation
oder willkürlicher Innervation entsprechen.
Etwa führt die Vorstellung einer kreisförmigen Bewegung zu entsprechenden
Ausschlägen eines zwischen zwei Fingern gehaltenen Fadenpendels (Chevreulsches
Pendel); die Vorstellung von Wärme in der Hand wie beim autogenen Training zur
Temperaturerhöhung (Dilatation der Gefäße) in dieser Region. Ebenso erzeugt die
Erinnerung an eine konflikthafte Auseinandersetzung die damit verbundenen
Emotionen, meist gebunden an spezifische Sinnesqualitäten (erinnerter Klang
einer Stimme, Gesichtsausdruck, visualisierte Szene, eine Körperhaltung oder
Verspannung usw.). In der Therapiesituation können solche intern generierten
Muster für die Bearbeitung (Bahnung, Reizüberflutung in sensu, Dissoziation von
überwertigen Komponenten, Assoziation abgespaltener unterstützender Aspekte
usw.) genutzt werden.
4. Dissoziation und Assoziation Überwertige Details, die für die Verarbeitung
von traumatischen Erfahrungen hinderlich sind, können in der nachträglichen
Bearbeitung abgeschwächt werden (z. B. die Lautstärke einer Stimme, die Farbe
und Helligkeit einer visuellen Erinnerung). Andererseits können fehlende
Erfahrungsaspekte bei der Bearbeitung von belastenden Erlebnissen in Trance
assoziiert werden. Sie können aus der eigenen Erfahrung des Klienten stammen
(Ressourcen) oder suggeriert werden (z. B. Worte oder Gedanken einer dritten
Person).
5. Regression und Progression Um Erfahrungen aus der Vergangenheit aufzusuchen,
die entweder zur Problembewältigung beitragen können (Ressourcen) oder Traumata
darstellen, deren Bearbeitung unabgeschlossen ist, wird der Klient in die
frühere Situation zurückversetzt. Andererseits kann es sinnvoll sein, daß sich
der Klient in eine zukünftige Situation innerlich versetzt, entweder um eine
bevorstehende Streßsituation durchzugehen oder einen Zustand
zu antizipieren, in dem sein Problem gelöst ist.
6. Evokation innerer Suchprozesse Statt Lösungen
zu suggerieren, ist es in vielen Fällen einfacher, passender und effektiver auf
die Kreativität des Individuums zurückzugreifen. Das damit verbundene divergente
Suchen, das den gewohnten Wahrnehmungs-, Affekt und Denkrahmen überschreitet,
wird in Trance erleichtert.
Diese Ziele, die durch die hypnotisch eingeleitete Trance erleichtert werden,
stellen die Basisprozesse dar, die zur therapeutischen Veränderung genutzt
werden.
Etwa wird ein Trauma u. U. in der Regression reaktiviert und dann durch
Assoziation von Erfahrungsaspekten oder Dissoziation von überwertigen
Erfahrungsaspekten einer Bewältigung näher gebracht. Oder ein akuter Schmerz
wird durch Transformation von Empfindungsqualitäten in seiner affektiven
Bedeutung gemindert.
Da diese Veränderungen ebenso wie die Tranceerfahrung selbst individuell
angepaßt und der betroffenen Person vielfach erst zugänglich gemacht werden
müssen, sind eine Reihe therapeutischen Strategien entwickelt worden, die
dies erleichtern.
2.2.Ericksonsche Therapieprinzipien
Viele dieser therapeutischen Strategien gehen über die Technik der
traditionellen Hypnose weit hinaus und haben einen deutlichen Einfluß auf andere
Therapieschulen ausgeübt. Zu dieser Entwicklung hat ERICKSON in seiner etwa
50jährigen klinischen Forschertätigkeit wesentlich beigetragen (vgl. seine
gesammelten Schriften, ERICKSON, 1980).
Eine bedeutsame Wendung, die ERICKSON in die Auffassung der Hypnose brachte, lag
einerseits in der großen Flexibilität und Individualisierung der Durchführung.
Zum anderen ist die Ericksonsche Hypnotherapie stark an Ressourcen orientiert.
Sie sieht das Therapieziel nicht mehr darin den Patienten durch Suggestion zu
einem möglicherweise nicht ich syntonen Ziel zu bringen, sondern darin, daß der
Klient seine eigenen Möglichkeiten für sich nutzbar machen kann.
Das psychotherapeutische Vorgehen ERICKSONS respektiert nicht nur die Autonomie
des Patienten in besonderer Weise, sondern betrachtet ihn und sein Problem
ganzheitlich und integrativ. Dies bringt auch die implizite oder explizite
Einbeziehung der Familienmitglieder mit sich (ERICKSON, 1980).
Die Prinzipien der Ericksonschen Hypnotherapie lassen sich etwa so
zusammenfassen (REVENSTORF, 1990):
1. Utilisation
Der Therapeut paßt die Therapie grundsätzlich den Möglichkeiten des Klienten an.
Dazu werden die begrifflichen Kategorien, seine Werte, sein kognitiver,
emotionaler und interaktioneller Stil soweit wie möglich genutzt. Dazu gehört u.
a. die Abwechslung von Folgen und Führen („Pacing“ und „Leading“), die
Inkorporation unvorhergesehener Reaktionen, die Umdeutung scheinbarer
Hindernisse sowie Lösungen.
2. Minimale strategische Veränderung
Veränderungen werden an der Stelle eingeführt, wo der geringste Widerstand zu
erwarten ist. Eine geringfügige Veränderung an strategisch richtiger Stelle kann
ausreichen, um das ganze Gebäude der Problemerhaltung zu erschüttern und eine
Neuorganisation auszulösen.
3. Destabilisierung
Um dem Klienten eine Veränderung zu erleichtern, kann es unter Umständen
hilfreich sein, durch ein Moment der Verwirrung ein eingefahrenes Denkmuster zu
labilisieren. Dadurch werden Umstrukturierung, kreative Problemlösungen
und die Rezeption neuer Informationen erleichtert.
4. Beiläufigkeit
Die für die Veränderung wichtigen Suggestionen werden beiläufig geäußert
(indirekt, metaphorisch, eingestreut, anekdotisch usw.). Sie werden auch dann
registriert, wenn sie nicht bewußt wahrgenommen werden und entgehen jedoch so
eher der kritischen Analyse durch unter Umständen obsolete Denkgewohnheiten.
Es wird angenommen, daß das Individuum unbewußt über die Nützlichkeit beiläufig
aufgenommener Information entscheidet.
5. Bahnung/Vorprägung
Hinweise, Suggestionen und Vorstellungen (z. B. das Wort „Hase“) werden mit
größerer Wahrscheinlichkeit (auch subliminal) rezipiert, wenn sie phonetisch
(bei dem genannten Beispiel durch das Wort „Haare“) oder semantisch (durch das
Wort „Kaninchen“) oder durch Bilder, Metaphern oder Kontexte gebahnt sind (priming
oder seeding).
6. Unterbrechung gewohnter Muster
Denk- Wahrnehmungs- und motorische Gewohnheiten sollen an kritischen Stellen
unterbrochen werden (z. B. der Griff zur Zigarettenschachtel).
7. Erschließung von Ressourcen
Aus Gründen einseitiger Bewertungen ausgegrenzte Lebenserfahrungen, die für die
Bewältigung einer bestimmten Problemsituation nützlich wären, können durch
Regression zugänglich gemacht werden (um mit der Problemsituation reassoziiert
zu werden, s. o.).
8. Rekonstruktion
Traumatische oder defiziente Lebenserfahrungen können in Trance durch
Rekonstruktion und Ergänzung fiktiver aber plausibler Elemente abgeschlossen,
umgedeutet oder gelindert werden – so als würde in Trance der Unterschied
zwischen Fiktion und Fakten in der Vergangenheit an Bedeutsamkeit verlieren.
9. Reorientierung in der Zeit Anstatt ein affektiv belastendes Problem in der
Gegenwart zu lösen, kann es hilfreich sein, das Individuum in seinem Denken,
Vorstellen und Empfinden in die Vergangenheit (Regression) oder Zukunft
(Progression) zu orientieren und in dieser Befindlichkeit eine andere Sichtweise
gewinnen zu lassen.
10. Schutz des Unbewußten
In Trance gefundene Lösungen können irrational, schmerzlich oder in anderer
Weise schwer hinzunehmen sein. Dann ist es günstig, die Problembearbeitung durch
Amnesie oder Ablenkung zu schützen.
Manche dieser Grundsätze sind in anderen Therapieformen integriert worden – etwa
in der Familientherapie (HALEY, 1977; WATZLAWICK, WEAKLAND, & FISCH, 1975), der
strategischen Therapie (WEEKS & L'ABATE, 1982), der Sexualtherapie (ARAOZ, 1982)
oder in der Kurzzeittherapie (SHAZER, 1982).
Trance als Sonderzustand
Trance als Sonderzustand kann mit Schlaf, Narkose, Koma oder anderen veränderten
Bewußtseinszuständen verglichen werden (altered states of consciousness, ASC,
Ludwig (1966)). Die veränderte psychische Funktionsweise drückt sich motorisch
in der Wahrnehmung, in der Physiologie oder in der subjektiven Erfahrung aus.
TART definiert ASC als ein diskretes und stabiles Muster des Erlebens und
Verhaltens (TART, 1975).
Diese Kriterien erfüllt Trance, indem sie subjektiv als unterschiedlich vom
Wachbewußtsein erlebt wird und zu Prozessen führt, die sich deutlich vom
Alltagsverhalten abheben (Analgesie, Katalepsie, Regression) und wiederholt
herstellbar sind, zumindest bei derselben Person.
Diese Auffassung wird von verschiedenen klinisch oder experimentell orientierten
Autoren vertreten (ERICKSON, 1980; FROMM, 1984; HILGARD, 1986; ORNE, 1977; SHOR,
1979).
Ein Experiment von BOWER belegt die These vom Sonderzustand.
Intellektuelle Leistungen sinken unter Streß; so die Leistung in einem
Wortschatztest bei gleichzeitigem Schmerz (durch Eiswassser). Bei Personen, die
zur Trance befähigt sind (Hochsuggestible), wird die Leistungseinbuße durch
hypnotische Analgesie reduziert.
Bei Niedrigsuggestiblen nicht. Durch eine kognitve Schmerzbewältigung dagegen
(Streßimmunisierung) tritt die umgekehrte Wirkung ein (BOWER, 1981).
Interessant ist auch der mehrfach berichtete Befund, daß unter hypnotischer
Analgesie die Herzfrequenz steigt, und zwar bei denen, die eine tiefe Trance
eingehen (hochsuggestibel sind). Das heißt, schwachsuggestible Personen, die den
Schmerz offenbar kognitiv bewältigen, benutzen einen anderen Mechanismus als
hochsuggestible Personen, die den Schmerz hypnotisch bewältigen.
Auch ORNES Vergleich von Personen, die den Trancezustand simulieren sollten (so,
daß der Versuchsleiter ihre Simulation nicht erkennt) mit solchen, die
tatsächlich in Trance waren (Hochsuggestiblen), zeigt bei den Halluzinationen
ein unterschiedliches Verhalten (ORNE, 1977).
Die Simulanten gehen auf einen weghalluzinierten Stuhl zu und rennen gegen ihn,
während die hypnotisierten Probanden einen Bogen um den Stuhl machen und dies
später fadenscheinig begründen.
Soziale Determinanten der Hypnotischen Trance
Der Trancezustand wird durch bestimmte Kontextvariablen begünstigt BARBER nimmt
zwei Mediatorvariablen an, die durch hypnotische Induktion gefördert werden,
nämlich positive Erwartungen an die Situation und Involviertheit in die
suggerierten Vorstellungen. Der erste Faktor hängt von der Aufgabenmotivation
der Person ab, der zweite von ihrer Absorptions-fähigkeit. Beide Faktoren sind
durch die Qualität der Interaktion zwischen Therapeut und Klient mitbestimmt
(Rapport) und werden durch eine Reihe von Kontextmerkmalen der Induktion
realisier (BARBER & DEMOOR, 1972):
Definition der Situation als Hypnose
− Monotone, nicht alltägliche Intonation;
− Beseitigung von Befürchtungen;
− Kooperation;
− Entspannungsinstruktion;
− Kopplung von Trancesuggestionen an spontane Veränderungen;
− Schließen der Augenlider;
− Zielgerichtete Imagination;
− Verhinderung von Mißerfolg durch Umdeutung.
BARBER und SPANOS haben insbesondere die
sozialpsychologischen Determinanten des hypnotischen Kontextes betont (BARBER,
1984; SPANOS, 1986).
Sarbin weist auf das Rollenverhalten hin und beschreibt, daß Menschen sehr
unterschiedliche Involviertheit in einer Rolle aufweisen können.
Es werden sieben Stufen unterschieden (SARBIN & COE, 1972; SARBIN & SLAGLE,
1980):
Stufe 0: Unbeteiligtheit;
Stufe 1: Beiläufige Rolleneinnahme (alltägliche, mühelose Routine, wie bei der
Begrüßung eines Kollegen);
Stufe 2: Mechanische Ausführung eines Verhaltens (alltägliches Auftreten als
Vorgesetzter);
Stufe 3: Engagierte Durchführung (wie bei einem guten Schauspieler);
Stufe 4: Tiefe Trance, in der Form des Sommnambulismus, in der die meisten
Trancephänomene evozierbar sind (Analgesie, Katalepsie, Amnesie,
Halluzinationen);
Stufe 5: Hysterisches Verhalten mit Erscheinungen des Ausagierens und
körperlichen Konversionen (z. B. Lähmungen);
Stufe 6: Ekstatisches Verhalten, wo willkürliche Einflußnahme scheinbar
ausgeschaltet ist, wie es sich in mystischen Zuständen und manchen religiösen
Besessenheiten zeigt (z. B. Exorzismus);
Stufe 7: Zusammenbruch der normale Regulationsmechanismen, z. B. im Vodootod.
Eine Rolle ist der sozial determinierte Anteil unseres Verhaltens. Jedes
Individuum nimmt in seinem Leben nebeneinander viele Rollen ein, etwa als
Vorgesetzte, Ehefrau, Mutter, Geliebte und Freundin, die jeweils anderes, zum
Teil durchaus widersprüchliches Verhalten beinhalten. Daß der Mensch hier zu
einer extremen Variabilität fähig ist, muß nicht betont werden. Insbesondere
wenn man an politische Umstände denkt, die das Verhalten sehr nachhaltig und
tiefgründig verändern können (Krieg, Frieden, Diktatur, Demokratie u. ä.).
Hypnotisches Verhalten kann auf den Stufen 3 bis 5 der von SARBIN
vorgezeichneten Skala angesiedelt werden, je nach Trancetiefe. Sarbins Vorschlag
legt nahe, daß der hypnotische Sonderzustand (ASC) an einem Ende des
Involviertheits-kontinuums angesiedelt ist.
Offenbar ist es so, daß die generelle Realitätsorientierung zum ASC-Pol hin mehr
und mehr aufgegeben werden kann. Die Variable, die eine derartige Motivation,
eine derartige Absorption in den Vorgang fördert, ist die Fokussierung
(Einengung der Wahrnehmung), die ja eine Standardtechnik zur Tranceinduktion
ist.
Neodissoziationstheorie
Mit Modellvorstellungen, wie die über den subliminalen und supraliminalen
Informationsfluß (s. o.) kann Wahrnehmung und Reaktivierung von
Gedächtnisinhalten unter Umgehung des Bewußtseins beschrieben werden. Es bleibt
jedoch erklärungsbedürftig, wie es durch Hypnose gelingt, manche eingrenzenden
Denk- und Verhaltensmuster zu überwinden, während dies in der rationalen
Argumentation nicht so leicht möglich ist. Dieser Umstand macht es ja auch
sinnvoll, Wert auf Amnesie für die bearbeiteten Inhalte zu legen und Erklärung
oder Einsicht nicht für einen notwendigen Bestandteil wirksamer Psychotherapie
zu halten (ZEIG, 1985). HILGARD hat mit der Neodissoziationstheorie dafür eine
Erklärung gegeben (HILGARD, 1986).
Er knüpft bei JANET an (JANET, 1904), der Dissoziationen als Abspaltung
pathogener Inhalte – für einen abnormen Vorgang hielt („desaggregation“).
HILGARD dagegen hält die Dissoziation für ein normales kognitives Phänomen.
Eine Form der Dissoziation ist die Amnesie, die etwas mit Verdrängung zu tun
hat. Suggeriert man beispielsweise unter Hypnose, die Hälfte aller gelernten
Worte einer Liste zu vergessen, so fallen hauptsächlich die emotional belasteten
unter die Amnesie.
Die Tatsache, daß ein solches Dissoziationsphänomen, ähnlich wie die Abspaltung
körperlicher Empfindungen (etwa Schmerz) unter Hypnose besser als im
Wachbewußtsein gelingt – ebenso wie die Integration multipler Persönlichkeiten –
wird mit einem bestimmten Kontrollmechanismus erklärt.
HILGARD nimmt dazu eine Hierarchie kognitiver und somatischer Subsysteme an und
postuliert eine Exekutivkontrolle. Sie regelt das Zusammenwirken der einzelnen
Mechnismen und garantiert so Konsistenz, aber auch Übereinstimmung mit gewissen
Kontextnormen und ermöglicht letztendlich so etwas wie eine Identität der
Persönlichkeit.
Unter Hypnose wird nach seiner Auffassung diese oberste Kontrollinstanz
zurückgedrängt und die einzelnen Subsysteme können größere Autonomie entfalten.
HILGARD hat das getrennte Nebeneinander unterschiedlicher autonomer Instanzen
durch seinen „heimlichen Beobachter“ (hidden observer) bei Schmerzexperimenten
nachzuweisen versucht. Durch ein verabredetes Zeichen (Hand auf die Schulter
legen) wird während der Hypnose ein Schmerzbericht von einer suggerierten
Instanz abgerufen, die die Empfindung in gewohnter Stärke wahrnimmt. Dadurch war
es HILDGARD möglich, neben dem verdeckten Bericht einer hypnotischen Analgesie
die volle subjektive Schmerzstärke, etwa beim Eiswassertest, zu ermitteln.
Ungeachtet dessen, ob solche Experimente generalisierbar sind, scheint die
Annahme einer hierarchischen Struktur von (in sich relativ autonomen
Kontrollmechanismen) innerhalb des kognitiven Systems, aber auch des somatischen
Systems, durchaus sinnvoll.
Immerhin ist bekannt, daß sowohl das autonome Nervensystem als auch das
endokrine System und das Immunsystem eine relative Autonomie aufweisen,
obwohl sie koordiniert agieren und auf-einander einwirken.
Auch im kognitiven Bereich ist das Phänomen bekannt, daß nebeneinander disparate
Einstellungen und Werthaltungen existieren können, sozusagen Biedermann und
Brandstifter, Lebensretter und Lebensvernichter; daß diese jedoch möglichst
separat gehalten werden.
Einige solcher Steuerungsmechanismen sind auf kognitiver Ebene etwa die
emotionale und die rationale Orientierung, das prozedurale, episodische und
semantische Gedächtnis, das kreative Denken, die Werthaltungen und die Logik.
Nach HILGARDS Auffassung gibt es eine Exekutivkontrolle, die ganz oben in der
Hierarchie angesiedelt ist und unter Hypnose ihren Einfluß zurücknimmt.
Unter dieser Bedingung sind dann offensichtlich prozedurale Programme wieder
ansprechbar, die z. B. nach organischem Hirnschaden bewußt nicht zugänglich
waren (Bewegungsprogramme), sind Details aus früher erlebten Episoden wieder
zugänglich, sind kreative Lösungen möglich, sind autonome Reaktionen
beeinflußbar (Pulsrate, Blutdruck) und solche des endokrinen Systems und des
Immunsystems (Veränderung der Beweglichkeit der weißen Blutkörperchen usw., s.
o.).
Daß die Schmerzbewältigung ein solch autonomer Regulationsmechanismus ist, steht
außer Frage. Es läßt sich nachweisen, daß die hypnotische Analgesie weder mit
Angstreduktion noch durch Entspannungsreaktionen, weder durch Placeboeffekte
noch durch die Empfänglichkeit für Analgetika, noch durch kognitive
Bewältigungsmechanismen erklärbar ist (HILGARD & HILGARD, 1983; REVENSTORF,
1986).
Das Konzept der hierarchischen Regulationssysteme impliziert parallel zum
Kontinuum der Involviertheit qualitative Veränderungen auf der physiologischen
Ebene, die dadurch gekennzeichnet sind, daß die Exekutivkontrolle unterlaufen
werden kann. In diesem Zustand sind einzelne Steuerungsmechanismen direkter
ansprechbar.
3. Anthropologische Prämissen
Jede Therapieform beinhaltet explizit oder implizit ein Menschenbild. Es
spiegelt sich in der Umgangsform des Therapeuten mit seinem Klienten wieder und
beeinflußt die Wahl seiner therapeutischen Techniken. Die Annahmen über den
Menschen, die der Ericksonschen Hypnose zugrundeliegen, unterscheiden sich
wesentlich von denen der traditionellen Hypnose. Sie entstammen den Erfahrungen,
die Erickson im Laufe seines Lebens gesammelt hat – u. a. durch die
Auseinandersetzung mit seinen eigenen zahlreichen Handicaps:
Erickson war von Kind an farbenblind, tontaub und Legastheniker. Im Alter von 17
Jahren erkrankte er an Poliomyelitis, die er nur knapp überlebte (PETER, 1987).
Um den Anforderungen des Alltags und der Schule gerecht zu werden, zeigte er
einen besonderen Ehrgeiz und Einsatz und entwickelte ungewöhnliche
Bewältigungsstrategien, sowie eine nicht alltägliche Sicht alltäglicher
Erfahrungen (ZEIG & LANKTON, 1985).
Die traditionelle Auffassung der Hypnose geht von der Suggestibilität des
Menschen aus: einer allgemeinen Tendenz, Fremdsuggestionen in gleichlautende
Autosuggestionen bzw. entsprechende Vorstellungen umzusetzen.
Das heißt, sofern der Rapport hinreichend ist, übernimmt der Klient Anweisungen
vom Therapeuten – unabhängig von eigenen Lebenserfahrungen. Im Gegensatz zu
dieser dem traditionellen Hypnoseverständnis innewohnenden Fremdbestimmtheit der
Intervention geht Ericksons Therapieauffassung von einer autonomen Veränderung
des Klienten aus. Das drückt sich in der Anpassung an die Möglichkeiten des
Klienten aus (Utilisationsprinzip s. o.).
Das heißt, das therapeutische Angebot orientiert sich an den Interessen, der
Motivation, den Überzeugungen, dem Verhaltensrepertoir und dem sprachlichen Stil
des Klienten.
Auch das, was traditionell als Widerstand klassifiziert würde, wird von Erickson
als grundsätzlich nützliche Eigenart akzeptiert. Beispiele dazu finden sich bei
(O'HANLON (1990). Im Sinne dieser Auffassung wird häufig das Symptom nicht als
etwas betrachtet, das zu eliminieren ist, sondern als Ausgangspunkt der
Veränderung (bezüglich Dauer, Zeitpunkt, Frequenz, Kontext in dem es auftritt
usw.).
Die Ericksonsche Hypnotherapie läßt sich durch folgende anthropologische
Grundannahmen charakterisieren:
1. Positives Menschenbild;
2. Individualität des Klienten und seines Problems;
3. Veränderungsoptimismus;
4. Das Unbewußte als Ressource;
5. Natürlichkeit der Tranceerfahrung.
3.1.Positives Menschenbild
Im Gegensatz zu den meisten anderen Psychotherapiemodellen, richtet Erickson
seine Aufmerksamkeit in der Therapie nicht auf den Krankheitswert der Störungen,
sondern auf die Fähigkeiten und Potentiale, sogar die, die in der Störung
liegen. Symptome werden nach Möglichkeit nicht als Defekte betrachtet, sondern
als Besonderheiten, die in ihrem Muster zu verändern sind.
Auf diese Weise sind die verschiedenen Formen der Symptomverschreibung
entstanden. Widerstand wird in ähnlicher Weise behandelt – als Eigenart, die die
Form der Intervention mitbestimmt.
Erickson geht davon aus, daß jeder Mensch einen kaum zu erschöpfenden
Erfahrungsschatz hat, mit dem er anstehende Probleme bewältigen kann. Eine
Störung ist häufig durch Rigidität von Denk-, Emotions- und Verhaltensmustern
bedingt. Diese gilt es in der Therapie zu durchbrechen. Hierzu wird Trance
genutzt (GILLIGAN, 1991).
3.2 Individualität
Die meisten Therapieformen versuchen allgemeingültige Gesetzlichkeiten über den
Menschen und sein Funktionieren aufzustellen, um daraus therapeutisches Handeln
abzuleiten. Der Klient wird Kategorien zugeordnet, die allgemeine Aussagen über
den von dieser Störung betroffenen Menschen erlauben sollen.
Diese Typologien dienen der Reduktion von Komplexität und dem wissenschaftlichen
Ziel, allgemeingültiges und übertragbares Wissen zu finden (REVENSTORF, 1993b).
In der Ericksonschen Form der Hypnotherapie findet dieses Prinzip beim direkten
Umgang mit dem Klienten strikte Grenzen.
Erickson hat wiederholt betont, daß therapeutische Kommunikation sich weder auf
theoretische Verallgemeinerungen noch auf statistische Wahrscheinlichkeiten
stützen sollte, sondern auf konkrete Muster, die den gegenwärtigen
Selbstausdruck des Klienten (z. B. Überzeugungen, offenes Verhalten,
Motivationen oder Symptome) auszeichnen (GILLIGAN, 1991).
Es wird demgemäß der Akzent nicht auf die Ähnlichkeiten zwischen den Menschen,
sondern die Unterschiede und die Besonderheiten eines jeden gelegt (vgl. auch
ROSEN, 1982; ZEIG & LANKTON, 1985).
Hier wird deutlich, daß therapeutisches Handeln im Sinne von Erickson nicht aus
wissenschaftlichen Prinzipien allein ableitbar ist, sondern darüber hinaus eine
praxeologische Komponente enthält.
Sie drückt sich in einem individualisierten therapeutischen Zugang zum
jeweiligen Klienten aus (siehe Utilisationsprinzip).
Der Text ist mir schon wieder ein wenig zu Wissenschaftlich - aber das heißt ja nichts :-)