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Können Gebete heilen?Amerikanische Studie mit 750 Herzpatienten belegt die Wirksamkeit
von Gebeten
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| Kardinal
Karl Lehmann im Gebet Foto: AP |
Hamburg - Es gibt viele Arten, zu beten: Stoß- und
Bittgebete, aber auch Formen der Versenkung, die der
Meditation ähneln. Daß Gebete die seelische und
körperliche Gesundheit fördern können, davon sind manche
Ärzte, Psychotherapeuten und Religionswissenschaftler
überzeugt. Den positiven Effekt von Fürbitten auf die
Heilung will jetzt der US-Herzspezialist Mitchell
Krucoff von der Duke University in Durham beweisen.
Seit 15 Jahren erforscht der Kardiologe die Wirkung alternativer, auf
Geist und Seele bezogener Heilmethoden auf Herzinfarktpatienten. An
seiner neuesten Studie, die im renommierten Medizinjournal "Lancet"
veröffentlicht wurde, beteiligten sich 750 Patienten in neun
amerikanischen Herzzentren.
Das Ergebnis: Den Patienten, für die mit großer Intensität gebetet
wurde, ging es besser als solchen, für die nur wenig oder gar nicht
gebetet wurde. Seine Zahlen gewann Krucoff nach eigenen Angaben mit
Hilfe einer wissenschaftlich abgesicherten Untersuchungsmethode.
Krucoff hatte zuvor in einer kleineren Studie keinen nennenswerten
Zusammenhang zwischen Heilung und Gebet feststellen können. Daher
steigerte er nun die "Dosis": Christen, Juden und Buddhisten an zwölf
Orten der Welt beteten für die Patienten. Zusätzlich ließ er zwölf
weitere Gemeinden für die Beter beten.
Doch mit seiner Studie will Krucoff nicht etwa beweisen, daß Beten
wie ein Mechanismus funktioniert oder es einen Gott gibt. "Wir wollten
herausfinden, wie der menschliche Geist zur Heilung beitragen kann. Wir
haben unser Ziel erreicht, wenn Beten Mitgefühl fördert, sich dadurch
das Herz der Patienten öffnet, und es schneller heilt", sagt er.
Mindestens einmal wöchentlich treffen sich Therapeuten und Mitarbeiter
der Caduceus Klinik für psychotherapeutische Medizin in Bad Bevensen in
Niedersachsen zu einem Fürbittengebet für Patienten. "Ihr eigener Wunsch
nach Heilung ist wichtig", weiß Klinikleiter Peter Findeisen. Doch wer
das Gebet nur als eine Form der Selbsthilfe sieht, beraubt es einer
entscheidenden Dimension: "Das Gebet verbindet uns mit einer Realität,
die größer ist als wir", sagt der englische Theologe Marcus Braybrooke,
der zusammen mit dem Dalai Lama und anderen Vertretern der großen
Weltreligionen dem 1995 gegründeten weltweiten "Peace Council" angehört.
Beate Selmert erlebt solche Momente, wenn sie sich Kunstwerke anschaut:
"Dann werde ich berührt von einer Freude, die über mich hinausgeht." Vor
acht Jahren erkrankte sie an Brustkrebs. Auch wenn die akute Gefahr
vorerst gebannt ist, weiß sie um die Kostbarkeit jedes Augenblicks. "Ich
dachte immer, ich könnte nicht beten", sagt sie. "Aber jetzt merke ich,
daß mein Alltag von Gebet durchdrungen ist."
Es gibt eine Kraft im Menschen, die mit dem Verstand nicht zu fassen
ist, davon sind Ärzte und Therapeuten überzeugt, die Gebet oder
Meditation praktizieren. Daher halten viele die Behandlung körperlicher
Krankheiten nur mit High-Tech-Medizin für überholt. "Geistige
Einstellungen können das physische Wohlgefühl beeinflussen und Heilung
bewirken", ist auch von Brück überzeugt. Dabei bezieht er sich auf
neuere Erkenntnisse der Hirnforschung. "Die geistige und die körperliche
Ebene sind zwei Aspekte derselben Wirklichkeit. Alles, was wir tun, ist
im Bewußtsein vorgebildet", sagt er.
Artikel erschienen am Sa, 18. Juni 2005